Merino T-Shirt Made in Germany

Wie wird ein Merino T-Shirt gemacht – Made in Germany?

Wer hat sich denn schon mal richtig Gedanken darüber gemacht, wie aufwändig es ist, ein einfaches Merino T-Shirt zu nähen? Wahrscheinlich die wenigsten und auch ich habe mir während meiner Zeit im Vertrieb in der Modebranche keine Gedanken darüber gemacht, ist doch ein T-Shirt das wohl einfachste Modell in der Reihe der Bekleidungsstücke – zumindest zum Schein.

Wie aufwändig es tatsächlich ist, ein „einfaches“ T-Shirt „Made in Germany“ zu nähen, will ich hier aufzeigen und habe dazu vor wenigen Wochen unsere Näherei im Erzgebirge besucht.

Die Erstellung des Schnittes für unser Merino T-Shirt liegt bereits hinter uns und wir schauen uns jetzt nur an, welche Arbeitsschritte in der Näherei anstehen:

1. Erster Schritt – das Erstellen eines Schnittlagenbildes
Unter einem Schnittlagenbild versteht man eine Vorlage aus Spezialpapier, die dazu dient, einzelne Schnittteile auf den Stoff zu übertragen und entsprechend zuzuschneiden. Unser einfachstes Merino T-Shirt hat mindestens 6 Einzelteile je Größe. Bei 5 Größen müssen also 30 Teile zugeschnitten werden.

Die Basis ist immer der Schnitt selbst, der entweder bereits im Computer erstellt wurde oder in Handarbeit und als Schnitt in Pappe oder Papier existiert. Früher wurde der Schnitt von Hand direkt auf den Stoff aufgezeichnet und dann ausgeschnitten. Heute werden die einzelnen Schnittteile bequem am Computer optimal angeordnet und dann auf ein Spezialpapier gedruckt.

Scannen der Schnittteile

Unsere Schnitte existieren noch nicht im Computer und müssen daher einzeln eingescannt werden. Sind die einzelnen Schnittteile einmal digital erfasst, wird daraus am Computer ein Schnittlagenbild erstellt. Dabei werden die Schnittteile auf Basis der tatsächlichen Stoffbreite so angeordnet, dass sie später möglichst verlustfrei zugeschnitten werden können, also möglichst wenig Luft zwischen den einzelnen Schnittteilen bleibt. Unsere Stoffrollen aus Merinowolle sind zwischen 130 cm und 165 cm breit und bringen dabei bis zu 20 kg auf die Waage. Auf eine Rolle gehen bis zu 70 Meter an Stoff.

Im Bild unten sehen wir jetzt das Schnittteil einer Mütze.

Digitale Bearbeitung des Schnittlagenbildes

Die am Computer angelegten Schnittlagenbilder werden auf Spezialpapier und riesigen Druckern gedruckt. Dabei gibt es zwei verschiedene Papiersorten – im Gegensatz zu einfachem Schnittmusterpapier besitzt Heißsiegelpapier eine Klebeschicht auf der Rückseite, mit welcher die Schnittmuster auf Stoff aufgebügelt werden können. Das breiteste Format liegt dabei bei 165 cm.

Ausdrucken des Schnittlagenbildes

2. Legen und Schneiden der Stoffrollen auf dem Legetisch
Legetische in den Nähereien können bequem 15 m und mehr lang sein. Hier werden dann die Stoffrollen aus Merinowolle auf die gewünschte Länge in mehreren Lagen ausgerollt. Die Anzahl der Lagen, die gelegt werden können, hängt unter anderem von der Dicke und der Beschaffenheit des Wollstoffes ab und ist abhängig vom Schneidewerkzeug der Näherei. Werden zu viele Lagen gelegt, verziehen sich die untersten Lagen und die Schnittteile sind nicht mehr akkurat.

4_Vorbereitung zum Ausrollen der Stoffe

Moderne Anlagen haben hierfür einen elektrisch geführten Schlitten, auf dem die Stoffrollen ohne Zug und Spannung auf dem Legetisch ausgerollt und nach jeder gelegten Lage automatisch abgeschnitten werden.

Dabei ist es sehr wichtig, dass die Stoffrollen auch tatsächlich ohne Zug und Spannung ausgerollt werden, denn die sehr dehnbaren Wollstoffe würden sich sonst nach dem Zuschnitt auf ihre ursprüngliche Größe zusammenziehen und wir hätten fehlerhafte Schnittteile.

Für faltenfreies Legen der Stoffe kann unterstützend Druckluft durch kleine Löcher in den Platten der Legetische geblasen werden. Dann schweben die Stoffe wie durch Zauberei auf einem kleinen Luftkissen. Trotzdem werden den Wollstoffen nach dem Legen und vor dem Zuschneiden zur Sicherheit noch eine kleine Ruhezeit gegönnt. Dabei werden die Stoffe nochmals penibel auf Webfehler oder sonstige Beschädigungen hin überprüft.

5_Legen und Schneiden der Wollstoffe

Sobald der Stoff auf die richtige Länge ausgerollt ist, wird er automatisch abgeschnitten und die nächste Lage kommt darüber. Unten im Bild sehen wir sehr genau wie das Messer den Stoff akkurat zerteilt.

6_Legen und Schneiden der Stofflagen

3. Zuschneiden des T-Shirts anhand des Schnittlagenbildes
Sobald die benötigte Anzahl an Stofflagen gelegt ist, wird das Schnittlagenbild auf die Stofflagen aufgebügelt, um zu verhindern, dass es sich verschiebt. Mit speziellen, sogenannten Stoßmessern, wird dann der Wollstoff zugeschnitten.

7_Zuschnitt des Wollstoffes

Und so sieht dann die Vorstufe zum T-Shirt aus. An den Schnittteilen lässt sich vielleicht schon erkennen, was es einmal werden soll. Doch bevor die Einzelteile zum fertigen Merino T-Shirt zusammen genäht werden können, müssen sie erst noch bedruckt werden.

Begutachtung des Zuschnitts

4. Bedrucken der Wollstoffe mit dem Größenlabel
Da es aufwändiger ist, das fertige T-Shirt mit dem Druck im Rücken zu versehen, wird dieser Arbeitsschritt vor dem Nähen gemacht. Dabei verwenden wir einen Transferprint bzw. Sublimationsprint. Hierbei wird im Vorfeld von einer Druckerei im Allgäu die Farbe auf einen Trägerstoff aufgedampft (sublimiert). Dieser Trägerstoff wird danach auf den Stoff gelegt und mit einer bestimmten Temperatur, Druck und Zeit mittels einer Presse (Transferpresse) auf den Stoff aufgebracht.

9_Auflegen des Transferprints

5. Ab jetzt wird endlich genäht
Wir haben jetzt bereits einige Produktionsschritte hinter uns, bevor auch nur eine Naht genäht wurde. In einer Näherei kommen verschiedene Nähmaschinen zum Einsatz, denn im Gegensatz zum Haushalt, wo alles mit einer Nähmaschine genäht wird, ist in der Industrie für jede Naht eine andere Spezialnähmaschine im Einsatz.

Im nächsten Bild sehen wir eine sogenannte „4-Nadel Armabwärtsnähmaschine“. Dahinter verbirgt sich die Nähmaschine für Flachnähte, wie wir sie an unseren Boxershorts, Leggings und an den Modellen mit Raglanarm verwenden.

Man sieht hier sehr schön, wie die beiden Stoffteile nebeneinander liegend vernäht werden, ohne dass die Stoffe überlappen und genau das macht eine Flachnaht aus. Sie ist viel flacher als eine normale Naht, wo die beiden Stoffteile übereinander liegen.

Gleichzeitig wird überschüssiger Stoff abgeschnitten und automatisch über die erkennbare Vorrichtung abgesaugt. Eine neue Flachnahtmaschine schlägt schnell mal mit weit über 10.000 Euro zu Buche und das erklärt auch sehr schnell, warum diese nicht im Haushalt steht.

10_Flachnahtmaschine

In einem weiteren Schritt, werden die Halsbündchen angenäht….

11_Halsbündchen werden angenäht

….und nachdem die Seitenteile zusammengenäht, die Arme eingenäht, Bündchen angenäht sind, werden zum Schluss in einem Extra Arbeitsgang noch die heraustrennbaren Pflegetiketten eingenäht.

12_Annähen des Pflegeetikettes

Zu guter Letzt werden die Nähte noch versäubert.

13_Versäubern der Nähte

 

6. Nun geht es in die Stickerei
Dieser Arbeitsschritt wird von einem Spezialisten gemacht, der zwar außer Haus ist, dafür aber in direkter Nachbarschaft, einen Ort weiter, wohnt.

14_Kaipara Stickerei

Nach dem Sticken wird versäubert, indem überflüssiges Garn abgeschnitten wird….

15_Versäuberung bei der Stickerei

……und zuletzt die unterlegte Vlieseline in Form geschnitten wird. Die Verwendung von Vlieseline bei Wollstoffen ist notwendig, um den Stoff im Bereich der Stickerei zu schützen.

Zuschneiden der Vlieseline

Danach geht es dann wieder zurück in die Näherei, wo letzte Hand angelegt wird, bevor sich das fertige Merino T-Shirt zu uns auf den Weg ans Lager macht – alles „Made in Germany“

7. Ab in die Qualitätskontrolle – Dämpfen, Zusammenlegen, Verpacken
Jetzt wird das fertige Merino T-Shirt nochmals in Augenschein genommen und bekommt für eine schöne glatte Optik etwas Dampf ab….

17_Ein letztes Dämpfen

…..wird zusammengelegt und eingepackt – fertig ist das Meisterwerk.

18_T-Shirt zusammenlegen und fertig

Nun hat unser fertiges Merino T-Shirt „Made in Germany“ viele einzelne Arbeitsschritte durchlaufen und ist durch unzählige Hände gegangen, bevor es endlich zum Verkauf im Lager liegt und in den Versand gehen kann.

 

Wie wir unseren Versand organisieren, können Sie in diesem Beitrag lesen:

Was wir für nachhaltigen Versand tun

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Die Sommerhitze ist da und warum luftig weite Merino T-Shirts dann besser funktionieren

Im Winter wollen wir uns vor Kälte und Wind schützen. Dann tragen wir unser Merino T-Shirt besser in enger oder zumindest schmaler Passform. Denn so bleibt die Wärme am Körper und kalter Wind kann uns so schnell nichts anhaben.

Doch im Sommer ist es genau umgekehrt. Bei großer Hitze darf das Merino T-Shirt bequem und luftig sitzen. So kommt auch mal ein frischer Luftzug unter das Shirt und die Verdunstungskälte, die über den Schweißfilm auf unserer Haut entsteht, versorgt uns mit willkommenen Kühlung.

Die nordafrikanischen Nomadenstämme machen es uns mit ihren Burnus vor. Dies sind traditionelle weite Gewänder aus Wolle, die ihren Träger vor Hitze bewahren.

Aber keine Sorge, auch das schmal anliegende Merino T-Shirt sorgt für Verdunstungskälte über den nach außen geleiteten Schweiß. Eben nur etwas schwächer, als bei der weiten und bequemen Variante.