Wo kommt die Wolle her - zu Gast bei einer Schafschur mit Kaipara

Die Geheimnisse von Merinowolle

Was ein paar kleine Zahlen über die Wollqualität aussagen

Beschäftigt man sich das erste Mal mit Merinowolle, können Eigenschaften und Materialangaben wie „17,5 Mikron superfine“, „Super 120“ oder „135 g/qm“ erst einmal einiges Stirnrunzeln verursachen. Doch im Grunde sind diese Fachbegriffe aus der Welt der Tuche recht leicht entschlüsselt: 

17,5 Mikron: In Mikron wird die Dicke bzw. Qualität von Rohwolle gemessen. Je feiner die Wollfaser, desto höher die Qualität. Ein Mikron ist ein Tausendstel Millimeter.   

Für Merinowolle sind fünf Qualitätsstufen von ultrafine (mit weniger als 16,9 Mikron) bis strong (mit 24 bis 25 Mikron) gebräuchlich. Je feiner die Fasern sind, desto weicher fühlt sich die Wolle an – und desto kleiner ist also der Mikron-Wert.  

links 17,5 Mikron Merinowolle und rechts 25 Mikron Merinowolle
links 17,5 Mikron-Merinowolle und rechts 25 Mikron-Merinowolle

Super 120: Eine Super-Zahl hat ein Tuch immer dann, wenn es aus reiner Schurwolle besteht, also direkt vom lebenden Schaf geschoren wurde. Die Zahl bezeichnet die Feinheit des versponnenen Wollgarns. Bei „Super 120“ haben 120 Meter Garn ein Gewicht von 1 Gramm. Bei Merinowolle bewegen sich die Super-Zahlen für gewöhnlich zwischen 100 und 180.     

Je höher die Super-Zahl ist, desto feiner ist die Wolle versponnen – und desto empfindlicher ist das Tuch. Für den regelmäßigen Gebrauch ist Merinowolle mit einer Feinheit von 100 bis maximal 150 geeignet. 

135 Gramm/Quadratmeter: Bei derlei Zahlen geht es um das Gewicht des gewebten Stoffes. Je kleiner die Zahl, desto dünner ist das Material. Shirts sind häufig aus dem dünneren 150er Merino hergestellt, oder aus dem robusteren 200er-Material. Deutlich dicker sind Merinojacken mit einem Gewicht von bis zu 300 g/qm. 

Übrigens: Auch eine sehr fein versponnene Merinowolle (hohe Super-Zahl) lässt sich zu einem dicken und damit schweren Stoff (hohe Gramm-Zahl) verweben. 

Vereinfacht gesagt drehen sich also alle drei Materialangaben um die Qualität der Wolle – jedoch in verschiedenen Verarbeitungsstufen (Rohwolle, versponnene Wolle sowie der daraus gewebte Stoff).  

Um das Thema „Haptik“ abzurunden: Auch die Faserlänge bestimmt die den Griff bzw. die Weichheit der Ware. Man spricht hierbei von Stapellänge. Als optimale Länge haben sich 7cm erwiesen, denn dann sind die Haare lang genug um sich zu kräuseln – statt sich umzulegen und zu pieksen, drehen sich die Faserenden. (Ähnlich einem Vollbart, der viel weicher empfunden wird als ein Dreitagebart.)   

In der Kaipara-Näherei: Vorbereitung zum Ausrollen der Stoffe
Verarbeitung: Vorbereitung zum Ausrollen der Stoffe
Veröffentlicht in Merinowolle.

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